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Ein Heimkind übt Rache

Der neue Kriminalroman "Sensenmann" der Zwickauerin Claudia Puhlfürst behandelt ein brisantes Thema auf unterhaltsame Weise.


Er heißt zwar Hase. Matthias Hase. Aber dass er von nichts wüsste, kann man nicht sagen. Er hat vieles erlebt, vieles vergessen. Als er im Fernsehen Berichte über ein ehemaliges Kinderheim auf der Kanalinsel Jersey sieht, auf dessen Gelände Kinderleichenteile gefunden werden, kommen lange verschüttete Erinnerungen wieder hoch. Und der Entschluss auf, das Unrecht, das er und seine Schwester Mandy Jahrzehnte zuvor in einem sächsischen Kinderheim erlitten haben, zu rächen.

Ernstes Thema

Der neue Kriminalroman "Sensenmann" der Zwickauer Autorin Claudia Puhlfürst ist kein klassischer "Whodunnit" - keiner jener Bücher, in denen von der ersten bis zur letzten Seite alles auf die finale Enttarnung des Täters hinausläuft. Den kennt der Leser von der ersten Seite an - oder glaubt es zumindest. Claudia Puhlfürst greift in dem Buch ein ernstes Thema auf, das auch im zweiten Jahr nach seiner Ankunft im öffentlichen Bewusstsein noch nicht erkaltet ist: Den Misshandlungen psychischer, körperlicher und sexueller Natur, denen Kinder - vermutlich in beiden Teilen Deutschlands - in Kinderheimen ausgesetzt waren. Matthias Hase spürt die Täter von damals auf - nach eigenen Erinnerungen, auch mithilfe ahnungsloser Hinweisgeber über das Internet, um sie den Quälereien auszusetzen, mit denen sie ihrerseits ihren dunklen Neigungen an ihren Schutzbefohlenen nachgegeben haben. Und sie anschließend ins Jenseits zu befördern. Anfangs scheint es so, als ob die Mordfälle nichts miteinander zu tun haben, mit denen die Polizei konfrontiert ist. Der Ertränkte in einer Badewanne in einem Leipziger Abbruch-Plattenbau, in dem es gar kein fließend Wasser mehr gibt. Die Frau, die, an ungenießbarem Essen erstickt, in ihrer Wohnung gefunden wird. Der von Folterspuren gezeichnete Mann, in dessen dauerhaft abgedunkeltem Schlafzimmer sich zuhauf Kinderpornos finden.

In der ersten Liga angekommen

Auch die Journalistin Lara Birkenfeld, den Lesern schon aus Claudia Puhlfürsts erstem bei Blanvalet erschienen Krimi "Ungeheuer" bekannt, rätselt, was es mit den Morden auf sich hat. Einer redaktionsinternen Intrige wegen bei ihrem Chef in Ungnade gefallen, ermittelt die Reporterin auf eigene Faust. Sie hat ein ungutes Gefühl. Denn eine ihr unheimliche Gabe hat abermals Besitz von ihr ergriffen. Sie "sieht" und "hört", wie schon in "Ungeheuer", wieder Dinge, die sich zur selben Zeit an einem ganz anderen Ort ereignen. Und der, stellt sich später heraus, ist in der Regel ein Tatort.

Claudia Puhlfürst gelingt es in "Sensenmann", ein gesellschaftlich bedeutsames Thema in eine spannende, zugleich unterhaltsame Handlung zu packen und dank ihres Spürsinns für stimmige psychische Befindlichkeiten einen Spannungsbogen aufzubauen, der es schwer macht, dieses Buch so bald wieder aus der Hand zu legen. Dafür wird der Leser am Ende auf sehr elegante Weise belohnt. Denn die volle Wahrheit, was es mit dem Täter auf sich hat, erschließt sich ihm erst zum Schluss. Spätestens mit diesem Buch ist die Zwickauerin endgültig in der ersten Liga der deutschen Krimischreiber angekommen.

 

Claudia Puhlfürst: "Sensenmann"
Blanvalet
444 Seiten
8,99 Euro
ISBN 9783442373550

Das Buch ist in allen Geschäftsstellen der "Freien Presse" erhältlich.

Von Torsten Kohlschein